Aktuelle News
Großer Skandal am deutschen Aktienmarkt?!
Viele von Ihnen werden in den letzten Tagen die Vorgänge um das TecDAX Unternehmen Wirecard und die sogenannte Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, kurz SdK, mitbekommen haben. Die SdK wirft dem Unternehmen aus Grasbrunn bei München Unregelmäßigkeiten in der Bilanz vor und auch am Markt gibt es, wie Händler auf dem Frankfurter Parkett bestätigten, schon länger solche Gerüchte. Kritikpunkt von Börsianern sowie der SdK sind dabei insbesondere die hohen sogenannten "immateriellen Vermögensgegenstände", die in der Bilanz von Wirecard einen durchaus beträchtlichen Posten ausmachen. Und in der Vergangenheit gab es durchaus bei dem ein oder anderen Unternehmen, bei dem in der Bilanz hohe "immaterielle Vermögensgegenstände" ausgewiesen wurden, gravierende Probleme. So schlitterte der ebenfalls mal im TecDAX gelistete Anbieter von Versicherungssoftware, FJH AG, vor einiger Zeit nur knapp an einer Insolvenz vorbei und von daher sind die Kritikpunkte der SdK an Wirecard durchaus nicht unberechtigt.
Aber - und das ist der springende Punkt - dürfen dann Mitglieder des Vorstands einer angeblichen "Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger" solche Informationen ausnutzen um über Shortspekulationen auf fallende Kurse zu spekulieren? Ich denke nein! Und vor allen Dingen ist das auch nicht der erste Fall, wo Mitglieder des Vorstands der SdK in "zwielichtige" Machenschaften verstrickt zu sein scheinen. Gehen wir mal zurück ins Jahr 2003.
Damals war die Aktie des Finanzdienstleisters Marschollek, Lautenschläger und Partner, kurz MLP AG, noch im DAX vertreten. Ein gewisser Tobias Bosler war damals wie heute Sprecher der SdK und zugleich leitender Mitarbeiter beim Virtuellen Emissionshaus VEM. Und diese VEM war eine Beteiligung der Value Management & Research VMR, die wiederum zum Firmenimperium von Hedgefondsmanager Florian Homm gehörte. Und dieser Herr Homm, den deutschen Kleinanlegern durch seine medienwirksame "Rettung" des Fussballclubs Borussia Dortmund bekannt, hatte damals mit Shorts auf MLP auf fallende Kurse bei MLP spekuliert. Ferner gab es damals auch einen sehr kritischen Bericht über die MLP Aktie im Anlegermagazin "Börse Online", der jedoch unter einem Pseudonym eines bis dato nicht bekannten Autors veröffentlicht worden war. Kurze Zeit später musste "Börse Online" eingestehen, dass der nun wieder ins Zwielicht geratene Vize der SdK, Herr Markus Straub, unter einem bis dato nicht bekannten Pseudonym einen Bericht für das Anlegermagazin verfasst hatte, wenngleich bestritten worden ist das es dabei um den Bericht zu MLP gegangen sei, was damals wie heute wenig glaubwürdig geklungen hat bzw. klingt.
Kommen wir nun zurück zu Wirecard. Hier musste besagter Vize der SdK kürzlich eingestehen, dass er mit diversen Shortspekulationen auf Wirecard von dem Kursverfall profitiert habe. Der inzwischen zurückgetretene Vize der SdK betonte aber, dass diese Spekulationen nur auf frei zugänglichen Informationen erfolgt seien. Und für den Kursrutsch könne er auch nicht verantwortlich sein, weil seine Shortspekulationen dafür viel zu klein seien. Ob er nun diese Shortspekulationen wirklich nur auf frei zugänglichen Informationen gegründet hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber in dubio pro reo - im Zweifel für den Angeklagten - nehme ich dies einfach mal an. Das seine eigenen Spekulationen auf fallende Wirecard Kurse den Kursrutsch auch nicht ausgelöst haben, auch da gehe ich konform. Aber wie sieht es denn mit dem Umfeld der SdK bzw. der Herren Straub und Bosler aus? Der heutige Betreiber des Börsendienstes www.der-boersendienst.de zumindest verfügt ja aus vergangenen Tätigkeiten durchaus über beste Kontakte zu dem allseits bekannten Herrn Homm. Und dieser hat als Hedgefondsmanager durchaus gute Kontakte in der Szene und gerade in einem derart anfälligen Marktumfeld wie aktuell, könnten Shortspekulationen aus dem Umfeld von Herrn Homm durchaus für den heftigen Kursrutsch der Wirecard Aktie verantwortlich sein.
Sollte dem so sein, so wäre allerdings auch anzunehmen das Herr Straub über die Kontakte zu Herrn Bosler und schließlich Herrn Homm durchaus im Vorfeld von einer geplanten Shortattacke auf Wirecard gewusst haben könnte. Und dann wäre das Argument, dass sich Herr Straubs private Shortspekulationen nur auf frei zugänglichen Informationen gründen würden, hinfällig. Es wäre interessant, in dieser Sache mal zu ermitteln, wobei dies sicherlich einerseits sehr schwierig und andererseits auch gefährlich sein könnte. Aber vielleicht hat ja der ein oder andere Journalist des ein oder anderen Börsen- und/oder Wirtschaftsmagazins ja Lust, sich in die Materie einzuarbeiten und Ermittlungen anzustellen.
Wie dem am Ende auch sei, in diesem Fall gibt es eigentlich nur Verlierer. Da wären an allererster Stelle natürlich die Aktionäre der Wirecard AG, die durch Shortspekulanten große Kursverluste zu verkraften haben. Zum Anderen dann natürlich auch die Firma Wirecard selbst, denn anstatt sich eine Schlammschlacht mit der SdK zu liefern würde man besser mal die Probleme in den Bilanzen aufklären, was man jetzt jedoch auch endlich tun will. Und der größte Verlierer dürfte die SdK selbst sein, denn welcher Kleinanleger wird zukünftig einer Organisation vertrauen wollen, die sich zwar den Schutz der Kleinanleger auf die Fahnen geschrieben hat, aber deren leitenden Personen sich in derart dubiose Geschäfte verstrickt haben - und das nicht zum ersten Mal!
Mein Fazit daher: Die Wirecard AG sollte SdK einfach SdK sein lassen und sich darauf konzentrieren die offenen Fragen in ihren Bilanzen zu beantworten. Die SdK sollte m.E. den Laden ganz dicht machen, denn was sich hier von Seiten führender SdK Leute geleistet wurde, geht auf keine Kuhhaut. Und die Wirecard Aktionäre sollten Augen und Ohren offen lassen, denn wie gesagt - bei allen Verfehlungen der SdK sind die Vorwürfe gegen Wirecard in der Sache selbst nicht ganz unbegründet!
Für den interessierten Anleger noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Meinem Bericht liegen die folgende Quellen zugrunde:
http://www.wallstreet-online.de/diskussion/690402-1-10/aktionaersschuetzer-in-deutschland (in Beitrag 8.481.538 des Users ebit77 wird ein damaliger Bericht des Manager Magazin zitiert, der nahezu alle Informationen enthält, die ich auch in meinem Artikel verwendet habe).
http://www.manager-magazin.de/geld/geldanlage/0,2828,197062,00.html (ein weiterer Artikel zum Thema aus dem "Manager Magazin"
http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-inside/affaere-um-anlegerschuetzer-weitet-sich-aus;2015075 (heutiger Artikel aus dem "Handelsblatt" zum Thema SdK/Wirecard
http://www.der-boersendienst.de (Webpräsenz eines "Börsendienstes" von Herrn Tobias Bosler; zumindest läuft die Domain laut Auskunft der DENIC eG (Whois Abfrage, respektive Domainabfrage) auf Herrn Tobias Bosler, München.
HuberSascha am 24.07.2008, 12:30


